Aquarelle und Collagen von Antje Hinze

im Künstlerhaus am 11. Februar 2007


Meine Damen und Herren, sehr geehrte Frau Hinze,


die Bilder, die Sie heute im Künstlerverein sehen, wirken auf mich so, als hingen sie schon immer hier – sie passen gut in den Raum, und der Raum passt gut zu ihnen.. Es sind Arbeiten von Antje Hinze, entstanden etwa in den letzten fünfzig Jahren.

Die drei Collagen links vom Eingang (Nr. 30-32) sind die frühesten, noch aus der Zeit der Werkkunstschule Wiesbaden, Ende der 50er oder Anfang der 60er Jahre. Die Aquarelle (rechts von der Doppeltür: Stilleben mit Farbtuben, Haus mit Garten, Nr. 6 ff.) stammen aus der Zeit nach dem Jahr 2000. Die Bilder verraten, so scheint mir, ihre Entstehungszeit nicht. Dennoch mögen ein paar Bemerkungen zum Lebenslauf der Künstlerin angebracht sein.

Antje Hinze schloss ihr Studium in Illustration und Gebrauchsgraphik 1961 mit dem Staats­examen an der Werkkunstschule Wiesbaden ab, ging dann für ein „Diakonisches Jahr“ an ein Altersheim nach Berlin und bekam anschließend eine Stelle als Graphikerin am Institut für Geologie und Paläontologie der Universität Göttingen.

Dort lernte sie ihren Mann, Dr. Car­sten Hinze, kennen, der bald am das Niedersächsischen Landesamt für Bodenforschung in Hannover tätig wurde. 1963 wurde geheiratet, dann kam der Umzug nach Hanno­ver, wo zwischen 1964 und 1969 zwei Töchter und ein Sohn das Licht der Welt erblickten.

In seinem Beruf als Geologe war Herr Dr. Hinze von 1972 bis 1975 in Burma tätig und nahm seine Familie mit. Nach der Rückkehr besuchte Antje Hinze Mal- und Zeichenkurse, u.a. bei Herrn Jürgen Zimmermann und im Atelier Bastemeyer in Isernhagen. Nach langer Beschäf­tigung mit gegenständlicher Kunst widmete sich Frau Hinze seit 1984 wieder den Collagen, die sich, wie sie selber schreibt, „ganz vom Gegenständlichen lösten“.  Zwischen 1991 und 2000 gab sie selbst Malkurse, beteiligte sich an verschiedene Ausstellungen

und trat 2005 dem Hannoverschen Künstlerverein bei.

Vom Abbild zur Abstraktion: als Frau Hinze ihr Studium an der Werkkunstschule aufnahm, war die abstrakte Malerei tonangebend. Das sieht man, denke ich, an den ersten drei Collagen. Sie sind allesamt gegenständlich, aber, wenn ich so sagen darf, mit abstrakter Technik. Farbige Papierstücke werden so neben- und aufeinander gelegt, dass aus ihnen ein weiblicher Akt, ein – an Morandi erinnerndes – Flaschen-Stilleben, eine Gruppe mit zwei Personen, die einander gegenüber sitzen, entsteht.

Daneben hängt ein abstraktes Bild: „Farbkomposition“. Es ist das einzige Ölbild, entstanden Mitte der 90er Jahre. Es hat einen Bezug zur zentralen Bildergruppe der Ausstellung, den Collagen mit den 12 Monaten. Die „Farbkomposition“ (Nr. 33) ist eine vergrößerte Fassung der Collage „September“ (Nr. 24).

Die 12 Collagen, entstanden im Jahr 1994, möchte ich Ihnen gern ein wenig vorstellen. Sie bestehen aus farbigem Zeitungspapier – die z. T. kräftigen Töne würden das gar nicht ver­mu­ten lassen. Die Reihe beginnt mit dem Januar (Nr. 16) und endet mit dem Dezember (Nr. 27). Aus einiger Entfernung sieht man auf dem Januarbild eine verschneite Vorstadt-Gegend: Bäume, ein Telegraphenmast, ein rotes Dach. Aus der Nähe sind es nur verschieden große Streifen und Stücke Zeitungspapier, manchmal mit noch sichtbaren Worten, Zahlen, Buchstaben. – Das Dezemberbild kennen Sie schon von der Einladung. Die beiden oberen Drittel des Bildes zeigen einen Nachthimmel in verschieden gestuften, nach außen zuneh­mend dunklen Blaupartien. Von der Mitte strahlt ein Licht – sei es ein Nord­licht, sei’s ein großer Mond –, Sterne säumen das Bild. Das untere Drittel ist in Weiß und Grau gehalten, die Lichtquelle spiegelt sich in einem roten Halbkreis. Im Dezember ist Weihnachten – deshalb das warme Rot in der kalten Winternacht.

Lassen hinausstrebt. Der Juli lässt uns mit satten, von Ultramarin zu Kobalt- und Preußischblau  reichenden Tönen das ruhige Meer sehen, dar­über ein

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